Real World Data für die Medizintechnik: Wie Patientencoachings zur Datenquelle werden

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Mit der Markteinführung endet für viele Hersteller von Medizinprodukten eine lange Reise von der Produktforschung und -entwicklung über Tests und Zertifizierungen bis hin zur erfolgreichen Markteinführung. Dennoch markiert die Markteinführung eines Medizinproduktes keinen Endpunkt, sondern vielmehr ist sie der eigentliche Startschuss. Denn der Moment, in dem ein medizinisches Gerät in den Alltag seiner Anwender:innen tritt, ist der Start der eigentlichen Bewährungsprobe.  

Denn erst im Alltag der Anwender:innen zeigt sich, ob ein Produkt nicht nur seine medizinische Funktion erfüllt, sondern auch ob die Anwender:innen dieses nicht nur verstehen, sondern auch akzeptieren und korrekt anwenden.  

Und während durch klinische Studien valide Wirksamkeits- und Sicherheitsdaten liefern, findet sich der wahre Erkenntnisbeginn oftmals nicht in einer Klinik wieder, sondern im Wohnzimmer der Anwender:innen, wenn diese das Gerät eigenständig nutzen sollen. Denn genau hier entsteht Real-World-Data. Solche Daten sind für Hersteller von Medizinprodukten eine wertvolle, aber oft ungenutzte Quelle.  

Was ist Real World Data (RWD)? 

Real World Data oder auch kurz RWD bezeichnet gesundheitsbezogene Daten, die außerhalb kontrollierter klinischer Studien entstehen.  

Dazu gehören Anwendungsdaten aus dem häuslichen Umfeld von Patient:innen und Anwender:innen, insbesondere deren Erfahrung und Herausforderungen im Therapieumfeld, wie beispielsweise bei der Anwendung von medizinischen Geräten. Weitere Datenquellen können beispielsweise auch Gründe für Therapieabbrüche oder Rückmeldungen an das Support-Team Ihrer Produkte sein. Real World Data hat also das Potential, Ihnen eine strategisch relevante Informationsquelle zu sein.  

Neben Insights aus dem Alltag Ihrer Anwender:innen können jedoch auch Gesundheitsdaten der Patient:innen direkt erhoben werden – wie beispielsweise durch die Überwachung durch Herzschrittmacher oder Smartwatches.  

Real World Data vs. klinische Studiendaten – wo liegen die Unterschiede? 

Während klinische Studien mit klar definierten Patientengruppen, standardisierten Abläufen und kontrollierten Rahmenbedingungen Daten mit einer hohen Validität liefern können, bietet Real World Data im Kontrast dazu Daten und sensible Insights aus dem Alltag von Anwender:innen und Kontextfaktoren (wie beispielsweise Überforderung, Angst oder eine fehlende Unterstützung). Klinische Daten zeigen also oft, ob und wie ein medizinisches Gerät wirkt, während Daten aus dem Patientenalltag zeigen, wie die Integration der Geräte in das reale Leben tatsächlich aussieht.  

Warum Real World Data für MedTech-Hersteller strategisch relevant sind 

Real World Data ist besonders für die Hersteller von MedTech-Geräten relevant, da sie konkret bei der Optimierung zahlreicher produktbezogener Touchpoints hilfreich sein kann. Hierzu gehören beispielsweise die Identifikation systematischer Anwendungsprobleme der Anwender:innen, die Optimierung von Gebrauchsanweisungen oder die Verbesserung von Schulungs- oder Trainingskonzepten. Die gewonnenen Insights können außerdem helfen, potenzielle Trigger von Therapieabbrüchen frühzeitig zu erkennen und zu reduzieren.  

Welche Daten in Patientencoachings bereits entstehen – und oft ungenutzt bleiben 

In Patientencoachings werden Anwender:innen strategisch in ihrem Alltag mit ihrem Medizinprodukt begleitet. Mit Fragebögen, Telefonaten und Videosprechstunden entsteht eine Verbindung zu den Patient:innen, die über die bloße Verschreibung durch den Arzt weit hinausgeht.  

Hier sammeln sich also tagtäglich wertvolle Informationen, wie beispielsweise wiederkehrende Anwendungsfehler, Missverständnisse zum Produkt, emotionale Barrieren oder konkrete technische Probleme im häuslichen Umfeld.  

Ohne eine entsprechende Alltagsbegleitung bleiben solche Informationen oft verborgen. Der Therapieabbruch geschieht im Stillen und die Gründe dazu werden so auch nicht an das Produktmanagement weitergegeben.  

Von der Gesprächsnotiz zur Produktstrategie: Wie RWD Produktentwicklung und Marktargumentation stärkt 

Werden solche Daten aus der echten Welt strukturiert durch Patientencoachings erfasst und ausgewertet, können sie ein großes Potenzial entfalten:  

RWD kann helfen, Produktverbesserungen anzustoßen 

Durch die Einbindung realer Patientenerfahrungen können Sie Ihre eigenen „blinden Flecken“ aufdecken: wo sie ggf. das Produkt optimieren und anpassen müssen, welche Prozessschritte vereinfacht werden sollten oder wie eine Bedienoberfläche angepasst werden sollte.  

RWD kann helfen, Supportkosten zu reduzieren 

Mit der Identifizierung typischer Fragen und Verwirrungen zu Ihrem medizinischen Produkt können Sie zu diesen gezielten Schulungsformaten entwickeln und so häufige Anfragen an Ihr Support-Team reduzieren.  

RWD kann helfen, die Market-Access-Argumentation zu stärken  

Im heutigen MedTech-Markt genügt es oft nicht, allein die klinische Wirksamkeit eines Produkts zu belegen. Kostenträger und Versorgungspartner erwarten nachvollziehbare Argumente für Anwendungssicherheit, Therapietreue von Anwender:innen und Versorgungsqualität. 

Strukturierte Real World Data aus Patientencoachings können hier gezielt unterstützen, indem Sie die verbesserte Therapieadhärenz belegen und eine Evidenz für die Versorgungssicherheit bieten.  

Fazit: das Potential von Real World Data für Hersteller von Medizinprodukten 

Real World Data ist kein Trendbegriff, sondern ein strategischer Hebel für MedTech-Unternehmen. Wer ausschließlich auf klinische Daten blickt, sieht nur einen Teil der Realität. Wer hingegen versteht, wie Patientinnen und Patienten ein Produkt im Alltag erleben, erhält einen entscheidenden Wissensvorsprung.   Patientencoachings bieten die Möglichkeit, genau diese Perspektive systematisch zu erfassen – strukturiert, datenschutzkonform und mit klarer Rückführung ins Unternehmen. 

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